Vincentpyramide - Balmenhorn - Schwarzhorn - Ludwigshöhe - Parrotspitze - Signalkuppe: Der ideale Ort für Gipfelsammler
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Am Gipfel des Balmenhorn, 4167 m |
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Die enormen Gletscherbrüche sind wunderschön anzusehen |
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Abstieg am Fuße des Liskamm über den spaltenreichen Grenzferner |
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Die futuristische Monte Rosa Hütte |
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Eine Eisenbrücke führt vom Ausläufer des Grenzgletschers auf felsiges Gelände |
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Sonnenaufgang über der Gnifettihütte (unten rechts) |
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Monte-Rosa-Gruppe |
Früh brechen wir vom Rifugio Gnifetti (3625 m) auf. Unser heutiges Ziel ist die Querung des Lysgletschers hin zur Signalkuppe inklusive der fünf 4000er "am Wegesrand". Die Übernachtung auf der höchsten Schutzhütte Europas, dem Rifugio Margherita und die geplante Besteigung von Zumsteinspitze und Dufourspitze am Tag danach muss aufgrund der Schlechtwetterfront leider ausfallen.
Gut eingepackt stapfen wir gemeinsam mit vielen anderen Seilschaften den spaltenreichen
Lysferner aufwärts. Wir ziehen nach Norden, umrunden den
Westfuß der
Vincentpyramide und gelangen über die mäßig geneigte
Nordwestflanke zum Gipfel auf 4215 m. Hier öffnet sich ein herrlicher Blick über unseren
gestrigen Marsch, hin zum Gran Paradiso und hinunter ins Aostatal.
Nach einer kurzen Rast geht es wieder hinunter in den Sattel (4087 m). Wir halten uns rechts, steigen den Hang zwischen Balmenhorn und Schwarzhorn empor und erklettern links eine kurze - mit Stahlseil und Tritthilfen versicherte - Felspassage. Diesen zweiten Gipfel des Balmenhorn (4167 m) ziert neben einer großen Christusstatue das kleine Bivacco Giordano CAI, in dem wir uns für einige Minuten aufwärmen.
Anschließend geht es über den Felssporn wieder hinunter zum Lysgletscher und in nordöstlicher Richtung zum spitzen Gipfelaufbau des Corno Nero. Wir ziehen in den Sattel rechts der Ludwigshöhe, gelangen zum Fuß der steilen Firnflanke und stapfen etwa 50° empor zum schmalen Firngrat. Diesem folgen wir nach links und erreichen über zwei kurze Felsstufen (IIer) den Gipfel des Schwarzhorn (auch Corno Nero) mit Madonnastatue (4321 m).
Nach dem Wiederabstieg in den Sattel geht es kurz bergan und rechts über den Firngrat (30°) zur aussichtsreichen Ludwigshöhe (4341 m). Von hier genießen wir einen herrlichen Blick über die Parrotspitze hin zur Signalkuppe mit Margheritahütte.
Wir steigen über die Nordflanke der Ludwigshöhe in das weite Becken des Grenzgletschers ab, umgehen zeitbedingt die Parrotspitze auf ihrer linken Seite und ziehen in sicherem Abstand zu den absturzbereiten Séracs der Signalkuppe nach Norden. Über einen langen Hang erreichen wir den Colle Gnifetti zwischen Zumsteinspitze und Rifugio Margherita, halten uns südlich und stapfen steil (30°) auf die Signalkuppe mit der höchsten Schutzhütte Europas (4554 m). Die kurze Rast auf dem windigen Balkon - unmittelbar über den schroff abfallenden Wänden des Berges - ist eindrucksvoll: ein Erlebnis!
Bald treten wir den Rückweg an. Er führt uns wieder hinunter in das große Becken des
Grenzgletschers unterhalb des Seser Jochs, hier nach Westen (rechts) und mehr oder weniger in der Mitte des riesigen, sehr spaltenreichen Ferners abwärts. Mit Blick auf das Matterhorn durchqueren wir die imposanten Eisbrüche, peilen auf etwa 3000 m linkerhand eine Seitenmoräne an und befreien uns von Seil, Steigeisen, Gurt und Eispickel. Nun geht es den Steinmännchen folgend über
Felsen,
Steine und
Geröll zur neuen, fast futuristischen
Monte-Rosa-Hütte (2883 m). Bei einer gemütlichen Einkehr bewundern wir die Nordwände der
Breithörner, von Pollux und
Castor, steigen dann über das
Moränengelände zu den Ausläufern des
Grenzferners ab, ziehen den Markierungsstangen entlang nach Norden und gelangen auf die Gletscherzunge des
Gornerferner. Wir überqueren sie, folgen einem
kurzen Klettersteig über Brücken und Leitern hinauf zum Höhenweg unterhalb des
Gornergrats und erreichen leicht ansteigend den
Rotboden (2815 m). Von hier fahren wir mit der elektrisch betriebenen
Gornergratbahn hinunter nach
Zermatt, wo unsere
Monte Rosa Tour endet. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicken wir auf drei erlebnisreiche Tage zurück - sind glücklich über die vielen positiven Eindrücke und die schönen Momente in der bezaubernden Gletscherwelt, bedauern aber gleichzeitig den frühen wetterbedingten Abbruch unserer Tour und das Opfer so manches Ziel unerreicht zurück zu lassen.
Anmerkung: Der Abstieg über den sehr spaltenreichen Grenzgletscher ist nur bei guter Sicht empfehlenswert!
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