Freitag, 20. Juli 2012

Ortler, 3905 m

Meranerweg/Normalweg: Eine Überschreitung zwischen Fels und Eis

Der Ortler: mächtig, atemberaubend, überwältigend
Seilgesichert führt der Meranerweg über eine steinschlaggefährdete Rinne aufwärts
Faszinierende Nebelspiele überraschen uns am spaltenreichen Ferner
Abseilen ins Bärenloch
Atemberaubend sind die mächtigen Abbrüche am Ortlerferner
Im oberen Gletscherplateau wird der Ferner flacher
Die Schlüsselstellen am Pleisshorngrat sind mit Stiften und Drahtseilen versehen

Berglhütte (2188 m), 3.30 Uhr: Im Kerzenlicht verzehren wir unser Frühstück, schlüpfen in die kühlen Bergschuhe und knipsen die Stirnlampen an. Es geht kurz über den Steig Nr. 18 in Richtung Payerhütte, bald rechts steil einen Geröllhang empor und unterhalb einer Felswand zum Einstieg des Meranerweges. Nun folgen wir der Markierung über gute Steigspuren und in schöner Kletterei den Pleisshorngrat aufwärts. Es ist ein alter, faszinierender Aufstieg über den Westgrat, der uns hinauf zum Pleisshorn (3158 m) bringt. Die Schlüsselstellen, die wir großteils mit einer Selbstsicherung klettern, sind alle durch Stifte und Halteseile entschärft. Und mit dem ersten Tageslicht finden wir uns inmitten der mächtigen Gletscherwelt von Trafoier Eiswand und Thurwieser wieder und genießen das Wolkenmeer unter uns, welches das noch schlafende Südtirol bedeckt.
Vom Pleisshorn, wo eine Marmortafel an die Entstehung der Route erinnert, führt der Weg durch eine seilgesicherte Rinne empor (Steinschlag!), kurz über den Grat und hinunter in eine Scharte. Nun geht es über eine Leiter zu den letzten Kletterpassagen und empor in ein Moränenfeld, das uns zum Beginn des Oberen Ortlerferners bringt. Hier montieren wir die Steigeisen, nehmen den Eispickel in die Hand und steigen zuerst steil, dann flacher über den Gletscher hinauf. Wir halten uns rechts, ziehen nahe am Grat vorbei und erreichen nach einer weiteren Steilstufe das obere Gletscherplateau und den Normalweg. Nun ist unser Ziel nicht mehr weit und rund 15 Minuten später stehen wir am höchsten Punkt Südtirols - dem Ortler auf 3905 m.
Für mich geht mit diesem Moment ein Traum in Erfüllung - ein lange ersehnter Augenblick ist Wirklichkeit geworden! 
Wir teilen die Gipfelfreude mit dem Nebel, der sich gegen den Gletscher drückt, in den Himmel steigt und im Takt des Windes den Blick auf Südtirol freigibt und verdeckt. Es ist ein packendes Schauspiel, das er präsentiert und ein Wahnsinnsgefühl am höchsten Punkt unseres Landes zu stehen.
Bald treten wir den Abstieg an, der uns über den Normalweg zur Payerhütte führt. Es geht zuerst sanft bergab zur großen Gletscherspalte und dann steil über einen Hang (35°) hinunter zum Tschierfeck (3465 m) und zum Ortlerbiwak (auch Lombardi-Biwak, 3316 m). Nun halten wir uns links, seilen uns über das Bärenloch ab und folgen dem Gletscher bis zu seinem Ende. Wir queren das Geröllfeld der "Eisrinne" und erreichen ein ausgesetztes Gratstück, über welches wir uns sichern und wieder abseilen. Es geht kurz auf felsigem Weg weiter bis zum "Wandl" und in Selbstsicherung an den Ketten abwärts zu einer Schulter. Vor uns ragt mächtig die Nordwand des Ortlers auf und unter uns fallen die Felsen steil in die Tiefe. Wir steigen die letzten Kletterpassagen abwärts, queren auf dem "Felsenweg" die Nordwestflanke der Tabarettaspitze und erreichen die Julius-Payer-Hütte (3029 m).
Nach einer Einkehr mit Nudelsuppe folgen wir der Markierung Nr. 18 hinunter zur Berglhütte (2188 m) und über den Aufstiegsweg bergab zum Parkplatz Drei Brunnen
Hier schließen wir die herrliche Hochtour mit einem Fußbad im Trafoi Bach ab und kehren voller positiver Eindrücke nach Hause zurück.

Für die Tour auf den Ortler bedarf es Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und Kondition. Außerdem sind die Mitnahme von Hochtourenausrüstung und Sicherungsutensilien notwendig.

Höhenunterschied: 600 m (zur Berglhütte), 1730 (von Berglhütte zum Gipfel),
Höhenunterschied: 2400 m Abstieg (nach Hl. Drei Brunnen)
Gehzeiten: Aufstieg über Meranerweg: 1 Stunde (bis Berglhütte), 5 Stunden (weiter zum Gipfel)
Gehzeiten: Abstieg über Normalweg: 3 1/2 Stunden (bis Payerhütte), 3 Stunden (von Payerhütte nach Hl. Drei Brunnen)
Wanderkarte: Tabacco Nr. 08 Ortlergebiet, 1:25.000

Anfahrt: Meran - Schlanders - Prad - Trafoi - Parkplatz Drei Brunnen Von Spondinig geht es nach Prad und weiter bis Trafoi. Etwa einen halben Kilometer hinter der Ortschaft biegen wir links ab und fahren bis zum Parkplatz Drei Brunnen.
Abstieg zur Berglhütte
Schlüsselstelle am Normalweg: das Wandl ist mit Eisenketten abgesichert
Die Eisbrüche am Oberen Ortlerferner
Aufstieg über den Meranerweg
Gletscher: Faszinierende Welten
In Kletterei geht es über den Pleisshorngrat empor
Der Obere Ortlerferner ist erreicht
Nebelmeer unter uns, Blick über Südtirol
Eine Leiter und leichte Felskletterei beenden den Meranerweg
Die Julius-Payer-Hütte
Der letzte Anstieg vor dem Oberen Ortlerferner führt über ein Moränenfeld
Blick vom Pleisshorngrat zur Payerhütte
Der Meranerweg tirfft auf den Normalweg

Kommentare:

martin hat gesagt…

Wie,was...????!!!!
Wahnsinn!!!

Habt Ihr es geschafft! :)
Ich freue mich riesig mit euch.
Glückwunsch!

Super Bilder,Super Nebel,
Super Ortler!

liebe Grüße+Hut ab.
martin

Deichjodler hat gesagt…

Da habt Ihr ja einen ganz großen bestiegen - Glückwunsch! Das Gefühl, einen Gipfel zu erreichen, von dem man lange geträumt und sich dann hart erarbeitet hat, ist schon ein ganz besonderes.

Schöne Grüße
Hannes

magdalena hat gesagt…

ja, für mich ist ein traum in erfüllung gegangen :)

liebe grüße euch beiden

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